Sonntagsgedanken – 22. März

Liebe Gemeinde!

Ich stehe an diesem steinernen Becken. Mit flacher Hand schöpft er ein wenig Wasser daraus. Seine Hand auf meinem Kopf zittert, so als ob er überlegen muss, ob die Berührung richtig ist.

Das ist meine ganz persönliche Tauferinnerung. Mein Pfarrer war verunsichert, aufgeregt bei meiner Taufe, schließlich fand sie in meinem 14. Lebensjahr und im Konfirmationsgottesdienst statt. Das war nicht ganz das Übliche, auch nicht, dass der Täufling, also ich, alles so genau mitbekommt wie das Zittern der Hand. Und doch ist es für mich die eindrücklichste Erinnerung an meine Taufe neben dem Wasser, das über meinen Kopf fließt, und dem Segen, der mir zugesprochen wird.

Wir hätten diesen Sonntag mit vielen Kindern und Erwachsenen einen Tauferinnerungsgottesdienst gefeiert und erst war klar, die Berührung zum tauferinnernden Segen können wir in Zeiten einer großen Ansteckungsgefahr nicht machen und jetzt muss der Gottesdienst oder auch bloß eine Andacht ganz ausfallen, durch niedergeschriebene Gedanken auf der Homepage ersetzt werden.

Tauferinnerung – bei mir ist es das Zittern einer Hand, das mir deutlich macht, ein ganz gewöhnlicher Mensch mit Aufregung kann Göttliches für mich wirken, kann mir Gottes Segen nahe bringen. Denn hätte dieser Pfarrer damals nicht mein Interesse an den Themen des Glaubens erkannt und mich in den Konfirmationsunterricht mit hineingenommen, wäre ich nicht getauft und später Pfarrerin geworden.

Tauferinnerung – gibt es da eine besondere für Sie? Oder eine, die Sie mit Ihrem Kind oder Patenkind teilen können, weil er oder sie damals noch ganz klein waren? Dann erzählen Sie doch davon! Das geht auch in Zeiten von Corona.

Tauferinnerung – das kann jeder ganz gewöhnliche Mensch machen. Auch heute bei Ihnen zuhause. Nehmen Sie die Hand Ihres Kindes, Ihres Patenkindes, Ihres (Ehe)Partners, zeichnen sie mit dem Finger ein Kreuz in seine Handfläche und sprechen: „Erinnere dich, dass du getauft und ein Kind Gottes bist.“

Und dann erinnere Dich: Wer getauft ist, der hat Gott an seiner Seite. Fürchte dich nicht, Gott wird bei dir sein, wenn du durch Wasserströme und durch Feuer gehst. Und das alles wird dir nichts anhaben können (Jes 43,2). Und als Getaufte/r kannst du wandern durchs finstere Tal und musst doch kein Unglück fürchten, denn sein Stecken und Stab trösten dich (Ps 23,4).

Also: Bleiben Sie behütet auf dem Weg durch das Tal, das wünscht Ihnen

Ihre Pfarrerin Alexandra Dreher