Wie das Fest der Feste entstand

„Er ist gewaltic unde starc,

der ze wihen naht geborn wart:

daz ist der heilige krist.

Ja lobt ihn [für] allez, das er ist.“

In diesen Zeilen des bayerischen Dichters Spervogel aus dem Jahr 1190 ist das Wort „Weihnachten“ zum ersten Mal belegt. Entstanden ist das Fest der Geburt Christi im 3. Jahrhundert in Ägypten. Hier wurde nämlich in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar die Geburt des Sonnengottes Aion aus einer Jungfrau gefeiert – und da galt es nun, die Erscheinung (Epiphanias) des wahren Licht-Gottes in der Welt dagegen zu setzen. Die Ostkirche feiert bis heute am 6. Januar.374-german-christ-the-king

Aus dem ägyptischen Faijum hat sich ein griechisches Liedblatt für einen Weihnachtsgottesdienst um das Jahr 300 erhalten. Da sang der Chor der Gemeinde zur Unterbrechung der Weihnachtsgeschichte:

„Geboren ist er zu Bethlehem,  erzogen wurde er zu Nazareth,  gewohnt hat er in Galiläa.“ –

„Wir haben gesehen ein Zeichen vom Himmel des leuchtenden Sterns, Hirten auf dem Felde weidend.“ –

„Sie erstaunten, fielen auf die Knie und sangen: Ehre dem Vater. Halleluja. Ehre dem Sohn und dem Heiligen Geist. Halleluja. Halleluja. Halleluja.“

Ganz ähnlich wie im Osten lief die Entstehung des Festes im Westen des römischen Reiches. Im Jahr 274 führte Kaiser Aurelian zur Wintersonnwende das Fest „Sol invictus“ (Unbesiegte Sonne) in Rom ein – für den 25. Dezember. Daraufhin belegten die Christen im Laufe des 4. Jahrhunderts dieses Fest mit der Geburt ihres sonnengleichen Retters aus aller Dunkelheit. Das Konzil von Konstantinopel im Jahre 381 bestätigte unseren Festtermin endgültig. Freilich gibt es auch einen biblischen Anhaltspunkt: Johannes der Täufer, der Vorläufer und Täufer Jesu, ist nach Lk 1,26 sechs Monate älter als Jesus. Und er sagt in Joh 3,28: „Er [Jesus] muss wachsen; ich aber muss abnehmen.“ Also lag es doppelt nahe, die Geburten der beiden auf die Sommer- und die Wintersonnenwende zu legen. Johannistag ist der 24. Juni.

Wie das Osterfest schon eine Vorbereitungszeit des Fastens und der Buße hatte, so bekam Weihnachten die Adventszeit vorgeschaltet. Der Fastencharakter zeigt sich noch darin, dass es in manchen Familien Brauch ist, am letzten, dem heiligen Abend vor dem eigentlichen Christfest, nochmals Fisch (Karpfen) oder einfach Wiener Würstchen zu essen.

Den Adventskranz hat übrigens der evangelische Theologe und Diakonie-Organisator Johann Hinrich Wichern erfunden. Im „Rauhen Haus“ in Hamburg, seiner „Rettungsanstalt“ für sozial gestrandete Jugendliche, stellte er am 1. Dezember 1839 einen Kranz mit 24 Kerzen auf – die Sonntagskerzen waren größer. Und nur mit diesen hat sich dieser feierliche Warte-Kranz durchgesetzt.

À propos Tannengrün: Der Weihnachts- oder Christbaum hat eine verwickelte Geschichte: Im 16. Jahrhundert gab es Christgeburtsspiele, in denen Bäume mitgetragen wurde, die aus dem Paradies den Baum des Lebens und den Sündenfall-Baum der Erkenntnis (von dem Adam und Eva den Apfel aßen) sowie den Baum des Kreuzes symbolisierten. Deshalb wurden Äpfel für die Sünden und Rosen für die heilbringenden Wunden Christi drangehängt. Bald wurde der Schmuck vermehrt. In einem elsässischen Bericht aus dem Jahr 1605 heißt es:

„Auff Weihnachten richtett man Dannenbäum zu Straszburg in den Stuben auff, daran henket man roszen aus vielfarbigem Papier geschnitten, Aepffel, Oblaten, Zischgold, Zucker etc. …“

Friedrich der Große überliefert einen zu Unrecht vergessenen Gestaltungs-Tip. In seiner Kartoffelverordnung von 1755 heißt es: „Als ein lächerlicher Nutzen der Erdäpfel wird beigefügt, dass in hiesigen Gegenden manche Leute um die Weihnachtszeit grüne Fichten in die Stuben bringen und selbige mit vergoldeten Erdäpfeln putzen lassen, um den Kindern eine Gestalt von Paradiesäpfeln vorzuspiegeln.“

Im Laufe des 18. Jahrhunderts hat sich die Lichterpyramide dann mit dem geschmückten Tannenbaum zum Weihnachtslichterbaum als dem Mittelpunkt der Bescherungszeremonie vereinigt. Denn die Bescherung der Kinder hatte schon Martin Luther vom Nikolaustag auf Weihnachten verlegt. Jedes einzelne Geschenk soll anzeigen: Dieses Fest ist das Geschenk-Fest schlechthin: Gott schenkt uns nichts Geringeres als seinen eigenen Sohn. Der soll uns aus aller gewollter wie ungewollter Gott-Losigkeit retten. „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des einziggeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ Joh 1,14

Dr. Matthias Dreher