Liebe Konfis, liebe Gemeinde!

Das Vaterunser ist das perfekte Gebet für Teenager.

Es ist ein Gebet für alle, die sich fragen, wo ihr Ort sein kann in dieser Welt. Ob sie reinpassen in die Schulklasse, wo alle anderen so cool sind. Oder in die Familie, wenn du dir die manchmal anguckst und denkst „Äh, wurde ich bei der Geburt vertauscht oder warum sind die anderen alle so anders als ich?“ Wenn du dich fragst, ob die Gesellschaft einen Platz für dich hat oder nur über deine Zukunft bestimmt, ob mit oder ohne Wehrpflicht. Es ist ein Gebet für alle, die hinter einem starken Blick Traurigkeiten verbergen und abends ins Kissen weinen, weil ihnen so vieles so viel Angst macht. Aber das sieht und hört keiner, weil sie es so gut verstecken. Und sie verstecken es so gut, weil sie wissen, dass wir Erwachsenen mit ihrer Angst oft nicht gut umgehen können.

Und im nächsten Moment strahlen sie wieder und lachen und sind so übermütig und größenwahnsinnig, dass es die Älteren in ihrer Umgebung mit Sorge sehen. All das steckt im Vaterunser drin.

Himmelhochjauchzend, zuversichtlich, die Zukunft gehört uns, lass uns tanzen! Das war euch bei der Konfifreizeit ziemlich peinlich und beim Vorstellungsgottesdienst wolltet ihr auch nicht tanzend einziehen. Dafür habt ihr bei eurem eigenen Gottesdienst dann uns alle zum Tanzen gebracht! Es war ein Freudentaumelfest. So wie: Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Halleluja, das Leben ist schön, bunt, alle Türen stehen euch offen!

Dann der Realitätscheck: Der Mensch muss leben. Unser tägliches Brot gib uns heute! Hilft ja alles nichts. Der Alltag muss bewältigt werden. Aufstehen, wenn du noch total müde bist. Zur Schule gehen, obwohl dir das, was du da lernst, so veraltet vorkommt und du dich fragst, ob irgendein Erwachsener heute einen Plan hat, was wir in 10 Jahren an Kompetenzen brauchen werden. Schulaufgaben und Arbeitsblätter, viel Schreiben und Tippen, Stress mit Mitschülern, und die Lehrer glauben mal wieder den Anderen. Da hilft das täglich Brot. Vielleicht eine Ration Notfallschoki in der Schultasche, eine Butterbreze am Kiosk oder ein Energydrink. Der Alltag kann einem das Leben schwer machen. Der Alltag schmeckt nach Schwarzbrot und manchmal nach Oblate, einfach nach nichts.

Und im nächsten Moment ist da die Ahnung um die eigenen Fehler. An manchen Tagen seht ihr nur das, was in euren Augen nicht gut ist. Im Spiegel sticht der eine Pickel hervor und darüber siehst du deine wunderschönen Augen gar nicht mehr. Auf unserer ersten Konfifreizeit habt ihr euch im Spiegel angeguckt und aufgeschrieben, was ihr seht. Danach hat euch eine andere Person gesagt, was ihr an euch auffällt.

Der Unterschied zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung war riesig. Die andere hat in dir die Schönheit gesehen, während du auf deine scheinbaren Makel fokussiert warst: Dazu passt: Vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Warum wir glauben, dass Gott das alles kann? Dass Gott uns durch den Alltag trägt und mit uns im Regen tanzt und unsere Schönheit sieht, wenn wir sie nicht mehr erkennen? Ganz einfach: Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. Gott ist größer, wunderbarer, liebevoller als wir alle. Gott hört damit nie auf bis in Ewigkeit. Darauf könnt ihr euch verlassen. Dazu sagt ihr heute JA!

Das Vaterunser ist ein Gebet für die, deren Pläne nicht aufgehen und auch für die, die noch gar keinen Plan haben. Und für die, die einen Plan haben, aber schon ahnen, dass das Leben dazwischen kommen könnte. Ein Gebet für Menschen mit Angst und Hoffnung, mit Sehnsucht und Chaos, mit Größenwahn und Selbstzweifeln. Ein Gebet für euch! Ihr, die ihr manchmal morgens denkt: „Ich kann alles schaffen!“ und abends dröhnt es in deinen Ohren: „Ich weiß überhaupt nicht mehr, wer ich eigentlich bin und ob mich irgendwer so mag, wie ich bin.“

Wir Erwachsenen tun übrigens oft nur so, als wären wir da schon weiter.
Sind wir nicht. Wir können es oft nur besser verstecken hinter Floskeln und Arbeit.

Auch wir fragen uns manchmal nachts, ob wir gut genug sind. Ob wir unseren Kindern gerecht werden. Ob unsere Beziehungen halten. Ob die Welt noch sicher ist. Auch wir beten manchmal verzweifelt: Unser tägliches Brot gib uns heute. Gib uns Kraft für diesen Tag. Mehr erstmal nicht.

Es geht erstmal nur um heute. Wir müssen keine perfekte Zukunft planen oder die perfekte Version von uns selbst werden.
Heute genug Mut. Heute genug Liebe. Heute genug Hoffnung. Für uns alle, von unserem Vater im Himmel. Weil man gemeinsam weniger allein ist.

Das Vaterunser zieht Menschen aus ihrer Einsamkeit heraus. Du betest nie allein. Unser Vater ist immer auch der Vater der anderen, überall auf der Welt. Gottvater kannst du nicht für dich behalten und von anderen fernhalten. Gott ist für alle da.

Wenn du dich verloren fühlst oder nachts nicht schlafen kannst, wenn du dich nach dem Sinn deines Lebens fragst — irgendwo spricht gerade jemand diese Worte und betet für dich mit zu unserem Vater. Der keinem gehört, nicht mal Jesus.

Wenn ihr heute JA zum Glauben an diesen Vater sagt, dann nicht, weil ihr jetzt alle Antworten habt auf alle möglichen Glaubensfragen. Wer behauptet, alles über Gott zu wissen, der lügt. Vor dem nehmt euch in Acht. Glauben heißt nicht, alles wissen. Glauben heißt:
Ich muss nicht alleine stark sein. Und, ich brauche keine Angst davor zu haben, nicht stark zu sein. Denn Gott hat dich längst angeschaut und sagt: Du gehörst dazu.

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